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Fehlgeburt verarbeiten – Vom Verlust zur Berufung

Meine heutige Arbeit als psychologische Beraterin für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch, die oftmals eine oder mehrere Fehlgeburten erleiden mussten, ist für mich kein Beruf, sondern vielmehr eine Berufung. Ich coache Frauen und auch Paare, die ihrer Trauer, Wut und Frustration Luft machen und wieder in ihre Kraft kommen wollen. Hier erfährst Du, was meine Arbeit so besonders macht und welche Vision ich für die kommende Generation habe .

Was vor rund zehn Jahren für mich noch völlig unvorstellbar gewesen wäre: so offen über das Thema Fehlgeburten zu sprechen wie ich es heute tue! Wenn ich einmal in der Zeit zurückreisen könnte und meiner zehn Jahre jüngeren Version gegenüber stehen könnte, würde ich sie erst einmal feste in den Arm nehmen, ihr ein Küsschen auf die Wange drücken und ihr ins Ohr flüstern, dass eines Tages alles gut wird.

„Ich kann leider keinen Herzschlag finden“ – dann hielt meine Welt an

Du ahnst es schon: Vor zehn Jahren stellte sich meine Welt schlagartig auf den Kopf. Es sollte nur eine Routineuntersuchung werden – schließlich hatte ich meinen positiven Schwangerschaftstest kurz zuvor mit klopfendem Herzen in den Händen gehalten und hatte die Gewissheit, dass mein Mann und ich – frisch verheiratet und über beide Ohren verliebt – ein Baby erwarteten. So machte ich mich in der S-Bahn auf den Weg zur Gynäkologin, hüpfte freudestrahlend ins Wartezimmer und grinste wie ein Honigkuchenpferd , als sich die Tür zu ihrem Sprechzimmer öffnete. Wenn ich heute an diese Szene zurückdenke, werde ich fast ein bisschen neidisch, wie unbeschwert und leichtfüßig ich bis dahin durchs Leben gegangen war. Das war die alte Katie.

Wenige Minuten später hatte meine Gynäkologin dann zögernd inne gehalten. “Wir müssen noch eine vaginale Untersuchung durchführen, da ich hier nicht genug erkennen kann.” Ich weiß noch, wie sie auf meinen Bauch drückte, und sich der kleine Embryo auf dem schwarzen Bildschirm bewegte. Was mir nicht klar war: Er bewegte sich nicht von selbst, sondern nur infolge des Drückens. “Ich kann leider keinen Herzschlag finden,” sagte sie dann. Ein Satz, mit dem für so viele Frauen weltweit der Kinderwunsch plötzlich in Scherben liegt. Dann ging alles wie im Traum weiter. Ich musste zur Absaugung ins Krankenhaus. An dem Geburtstag meines Mannes. Es folgten Wochen der Isolation. Ich wollte nicht mehr arbeiten, studieren, mit meinem alten Leben in Kontakt treten. Ich war so zutiefst erschüttert, überwältigt, wütend, beschämt. Bis zu dem Tag hatte ich niemanden gekannt, der jemals eine Fehlgeburt hatte. Natürlich weiß ich heute, dass es statistisch gesehen recht normal ist, und dass viele Frauen einfach nicht über ihr Schicksal reden. Die Folge eines Tabus ist, dass sich Betroffene einfach völlig alleingelassen und ausgegrenzt fühlen.

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Nach meiner ersten lebensverändernden Fehlgeburt (wir zogen danach ins Ausland, um den Schmerz zu vergessen und einen Tapetenwechsel zu erleben) folgten dann noch unfassbare acht weitere. Zwei gesunde und zauberhafte Mädchen haben es in diese Welt geschafft, und dafür bin ich sehr dankbar. Ich kenne heute so viele wundervolle Frauen, deren Kinderwunsch auch nach vielen Runden In-vitro-Fertilisation (IVF) unerfüllt geblieben ist, und musste am eigenen Leib erfahren, dass eine Schwangerschaft nicht immer “einfach so” passiert. Das ist vielerlei Dingen geschuldet, auf die ich in diesem Artikel eingehe.

Meine „Regenbogen“-Mädels

2012 wurde unsere Welt erneut auf den Kopf gestellt: Unsere erste Tochter erblickte das Licht der Welt. Da war es nun, das Wunschbaby, auf das wir so lange warten mussten! Womit ich nicht gerecht hatte: Es fiel mir anfangs unfassbar schwer, eine Bindung zu ihr zuzulassen. Immer wieder schlich sich der Hintergedanke bei mir ein, dass ich auch sie verlieren würde. Ich hatte permanent regelrechte Angstzustände, war geplagt von Albträumen und nahm innerhalb ihrer ersten sechs Lebensmonate sehr stark ab. Ich nahm es als normal hin und dachte, es würde allen frischgebackenen Mamas so ergehen.
Für mich war immer klar, dass ich gerne vier Kinder bekommen wollte – also probierten wir es recht schnell erneut. Doch das Babyglück blieb aus: Es folgte eine Fehlgeburt nach der nächsten, sodass wir letztendlich mehrere Tests durchlaufen mussten, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Die Diagnose: Faktor V Leiden, eine Blutgerinnungsstörung, die scheinbar recht normal und einfach zu medikamentieren war. Nach vielen Versuchen kam dann 2015 auch unsere zweite Tochter gesund zur Welt. Doch der Wunsch von vier Kindern sollte unerfüllt bleiben, was mich lange Zeit sehr traurig und auch wütend machte. Meine Oma, die tollste Frau der Welt, hatte zehn Kinder zur Welt gebracht, ihre Mutter sogar dreizehn. Und ich? Ich schaffte es nicht einmal über die 7. Schwangerschaftswoche hinaus. Das Gefühlschaos war vorprogrammiert und Themen wie Selbstliebe, Selbstwertgefühl und auch Intimität in meiner Ehe gerieten bei mir völlig aus dem Gleichgewicht

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Meine Arbeit als Trauerbegleitung und Tabubrecherin

Nach intensiver Aufarbeitung und Weiterbildungen im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung weiß ich heute, dass ich mein inneres Wohlbefinden nicht von äußeren Faktoren und mein Wert als Frau nicht von einem positiven Schwangerschaftstest abhängen.
Ich verstehe auch, dass das Trauma einer Fehlgeburt sehr groß sein kann – vor allem, weil man so wenig darüber spricht. Das Alleinsein nach einem Schwangerschaftsverlust kann die Trauer und den Schmerz noch viel größer machen – weshalb ich auch so sehr für einen offenen Umgang mit dem Thema Fehlgeburt plädiere. Auch, wenn viele Frauen nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden und ein gesundes Kind zur Welt bringen, lässt sich die Fehlgeburt nicht einfach überwinden oder vergessen, wie es so viele meinen. Aus eigener und beruflicher Erfahrung weiß ich, dass eine Folgeschwangerschaft die Fehlgeburt nicht “wettmachen” kann – ich kenne Frauen, denen selbst nach dreißig Jahren noch die Tränen kommen, wenn sie über ihre Fehlgeburt sprechen. Warum? Weil ein solches Schicksal viel Mitgefühl und Aufarbeitung fordert. Zeit allein heilt noch lange keine Wunden!

Es ist ganz normal, wenn Du nach der Geburt Deines gesunden Kindes Gefühle wie Trauer, Wut oder Taubheit verspürst. Ich habe viele Frauen begleitet, die lange Zeit keine Bindung zu ihrem Kind aufbauen konnten. Das ist ein Schutzmechanismus und nach einem Trauma verständlich. Es ist auch normal, wenn Du trotz gesunder Kinder immer wieder auf Deine Fehlgeburt(en) zurück denkst. Wenn Du Redebedarf hast, heißt das, dass hier einige Dinge noch nicht ganz verarbeitet wurden. Wichtig ist, dass Du Deine Gedanken und Gefühle anerkennst – hier hilft es sehr, wenn Du sie Dir aufschreibst und mit Deinem Partner redest.

Zuhause reden wir ganz offen über unsere Fehlgeburten, auch mit unseren Kindern. Es ist uns ein großes Anliegen, dass die beiden offen mit dem Thema aufwachsen und verstehen, dass Fehlgeburten etwas völlig Normales sind – und im Umkehrschluss, was ein unfassbares Geschenk es ist, ein gesundes und geliebtes Leben leben zu dürfen.

Hast Du bereits eine Fehlgeburt erlebt? Wie gehst Du damit um? Hilft es Dir, Dich mit anderen Frauen darüber auszutauschen? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar unter diesem Artikel und Teile Deine Erfahrung mit der Cuca-Community.

 

Über Katie Caiger:

Katie Caiger Coach für das Leben nach Fehlgeburten und Verlusten

Geboren in Deutschland, verschlug mich die große Liebe an die wunderschöne Südküste Englands. Nach einem tränenreichen Leidensweg fand ich schließlich meine Kraft – und meine Berufung. Heute habe ich das große Glück, als ausgebildete Trauerbegleitung und psychologische Beraterin viele wundervolle Frauen rund um den Globus begleiten zu dürfen, die nach ihrer Fehlgeburt eine einfühlsame Ansprechpartnerin und neue Perspektiven wünschen. Meine Hauptaufgaben bestehen darin, ein offenes Ohr zu sein, Seelsorge zu bieten und Betroffene von der anfänglichen Schockphase in liebevoller gemeinsamer Arbeit in die „neue Normalität“ zu begleiten. Trauer braucht nicht nur Zeit, sondern auch unendlich viel Verständnis und Mitgefühl – und genau da komme ich ins Spiel. Wenn Du an meiner Arbeit interessiert bist und mehr über mich erfahren möchtest, findest Du mich unter www.katiecaigercoaching.com und auf Instagram unter @life_after_pregnancy_loss. Außerdem findest Du meinen englischsprachigen Podcast zum Tabuthema Fehlgeburt auf Apple Podcasts und Spotify (@msthewordpodcast).

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